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Der Bauernkrieg von 1524-1526 wurde hauptsächlich durch die zunehmenden rechtlichen, politischen und sozialen Repressionen der Bauern durch ihre
Landesherren und die Kirche und zum anderen durch die Reformation ausgelöst. Schon lange vor dem eigentlichen Bauernkrieg kam es regional zu vielen Konflikten, deren Auslöser die allgemeinen Umstände und lokalen
Probleme waren. Die ersten Aufstände des Bauernkrieges brachen 1524 in der Landgrafschaft Stühlingen im südlichen Schwarzwald aus und breiteten sich schnell in ganz Süddeutschland (außer Bayern), nach Tirol, die
Steiermark, Franken und nach Thüringen aus. Im Februar 1525 formulierten die schwäbischen Bauern ihre 12 Artikel mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensumstände, die dann zum Programm der gesamten Bauernbewegung
wurden. Nach Anfangserfolgen wurden die Aufstände überall im Laufe des Jahres 1525 (in Österreich erst 1526) niedergeworfen. Schätzungen zufolge verloren dabei über 100.000 Bauern ihr Leben. Die überlebenden
Aufständischen fielen in der Regel in Reichsacht und waren vogelfrei. Anführer wurden mit dem Tod bestraft. Teilnehmer und Unterstützer der Aufstände wurden grausam durch Enthauptungen oder Misshandlungen wie
Augenausstechen oder Fingerabschlagen bestraft oder mussten empfindliche Bußgelder aufbringen.
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Die Ereignisse in Frankenhausen :
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Ab Ende April 1525 entwickelte sich Frankenhausen / Kyffhäuser zu einem Zentrum der Bauernerhebungen in Thüringen. Am 29.April - zahlreiche Bauern
sammelten sich bereits um Frankenhausen - kam es in der Stadt zur Erhebung, an der weit über die Hälfte des Kleinbürgertums, die meisten Salzarbeiter und plebejischen Kräfte und fast die Hälfte der Pfänner beteiligt
waren. Die Zusage Müntzers, mit dem bei Görmar/Mühlhausen liegenden Haufen, der zu diesem Zeitpunkt aus 10 000 Mann aus 370 Städten und Dörfern bestanden haben soll, nach Frankenhausen zu ziehen, aktivierte die
Aufständischen, denen sich am nächsten Tag auch die vor der Stadt lagernden Bauern anschlossen. Das Rathaus wurde besetzt, der Rat gestürzt, das Schloss und das Nonnenkloster St.Georgii wurden gestürmt und Urkunden,
Schuldbriefe und das Stadtsiegel vernichtet. Weiterhin stellten die Aufständischen ihre Forderungen in 14 Artikeln auf, die sich zum Teil an die schwäbischen Artikel anlehnten. Weitere Aufständische aus den Grafschaften Schwarzburg, Mansfeld, Stolberg sowie aus albertineschen und
ernestineschen Gebieten zogen herbei. Am 3.Mai sollen es schon über 4000 Mann gewesen sein, so dass sich die Grafen von Schwarzburg und Stolberg der Übermacht der Aufständischen unterwarfen. Nach dem Ausbleiben
des von Müntzer am 29.April zugesagten Haufens und der Unterwerfung der Schwarzburger und Stolberger Grafen gewannen kurzzeitig gemäßigte Kräfte im Frankenhäuser Haufen Auftrieb. Aktionen gegen umliegende Klöster
wurden beendet und Aufständische aus dem Raum Allstedt/Sangerhausen/Mansfeld auf Abruf beurlaubt. Um den 4.Mai trafen in Frankenhausen Teilnehmer des Eichsfeldzuges ein. Nachdem Söldner des Grafen Ernst von Mansfeld
am 4.Mai das nicht weit entfernte Ringleben in Brand gesteckt hatten, wurden durch die Aufständischen unter Führung von Bonaventura Kürschner - einem Anhänger Müntzers - wieder Züge gegen benachbarte Städte, Klöster
und Schlösser unternommen, so z.B. gegen Artern, das Kloster Göllingen, die Arnsburg, Wallhausen, Brücken und Beichlingen. Am 10.Mai machte sich Müntzer mit 300 Mann, 8 Karrenbüchsen und der Regenbogenfahne
(weiße Fahne mit einem Regenbogen und den Worten ‘Verbum domini maneat in aeternum’ (Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit)) auf den Weg von Mühlhausen nach Frankenhausen, das er am 11.Mai gegen Mittag erreichte.
Unterstützung für die Frankenhäuser Aufständischen war aus anderen Gebieten kaum noch zu erwarten, da die Bauern bereits vielerorts durch die errungenen lokalen Verhandlungsergebnisse aufgaben und abzogen oder von
den fürstlichen Truppen zerschlagen wurden. Nach der Auflösung des Werrahaufens und der Nachricht, das sich Müntzer - in dem die Fürsten ihren gefährlichsten Gegner sahen - mit seinen Anhängern auf dem Weg nach
Frankenhausen befand, lenkte Phillip von Hessen das hessisch-braunschweigische Heer von Berka über Eisenach nach Frankenhausen. Herzog Georg, der sich seit Anfang Mai in Leipzig aufhielt, war mit seinem
herzoglich-sächsischen Heer nach Heldrungen gezogen, wo es sich am 13.Mai mit den mainzschen und brandenburgischen Aufgeboten und den sich seit Tagen in der Burg des Grafen Ernst von Mansfeld verschanzten Adligen
Nordostthüringens verstärkte. In den Vormittagsstunden des 14.Mai wehrten die Frankenhäuser Aufständischen westlich von Frankenhausen 3 Angriffe des hessisch-braunschweigischen Heeres ab. Nach diesem Erfolg
überschätzten sich die Aufständischen und hielten den Feind für stark geschwächt und versäumten es dabei, gegen das durch den langen Marsch geschwächte Heer den notwendigen militärischen Vorteil zu erlangen. Nach
den Kampfhandlungen vom 14.Mai verließ ein Großteil des Frankenhäuser Haufens die Stadt und bezog hinter einer auf dem heutigen Schlachtberg errichteten Wagenburg Stellung. Ebenso wurden die vorher auf der
Stadtmauer aufgestellten Geschütze auf den Schlachtberg gebracht. Am Abend des 14.Mai forderte Landgraf Phillip die Aufständischen zur Niederlegung der Waffen und zur Auslieferung Müntzers und der Hauptleute auf.
Gemäßigte Kräfte des Frankenhäuser Haufens ließen sich auf Verhandlungen mit den Fürsten ein, bei denen scheinbar eine befristete Waffenruhe vereinbart wurde. In der Zwischenzeit nutzte das fürstliche Heer den
erhandelten Zeitgewinn für die Vorbereitung eines militärischen Schlages gegen die Aufständischen. Die fürstlichen Geschütze wurden auf eine Anhöhe auf dem östlichen Schlachtberg gebracht, von wo aus die Wagenburg
der Bauern unter Beschuss genommen werden konnte. Am 15.Mai vereinigte sich das hessisch-braunschweigische Heer mit dem albertineschen Heer. Vergeblich hatten die Aufständischen vorher versucht, die Vereinigung
der Truppen durch Geschützfeuer zu verhindern. Somit standen den etwa 8000 Aufständischen, die mit mindestens 15 Geschützen, als Waffen genutzten Arbeitsgeräten (Sense, Sichel, Dreschflegel, Gabel) und den Waffen
der zum Waffentragen berechtigten Bergknappen (Spieße, Hellebarden, Kurzsäbel) bewaffnet waren, mindestens 6000 Landsknechte und Berittene auf Seiten der Fürsten gegenüber. Die fürstlichen Truppen wurden so
aufgestellt, dass ein Ausweichen der Aufständischen aus ihrer Wagenburg nicht mehr möglich war.
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Gedenkstein auf dem Schlachtberg (1962 aufgestellt) (Inschrift) |
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Nochmals wurde ein dreistündiger Waffenstillstand vereinbart. In der Zwischenzeit war es im Lager des Frankenhäuser Haufens zu Auseinandersetzungen
über die Forderung nach einer Auslieferung Müntzers und seiner Anhänger gekommen. Wie bei allen wichtigen Entscheidungen kam man auch hier ‘im Ring’ zur Beratung zusammen. Der Auslieferungswunsch der Fürsten wurde
abgelehnt. Müntzer predigte ein letztes Mal vor den Aufständischen, legte ihnen in wirksamster Rhetorik seine Ziele dar und überzeugte sie von der Richtigkeit ihres Handelns. Noch während der Predigt deutete Müntzer
mit den Worten zum Himmel: ‘Ja ihr sehent, dass Gott auf unser Seiten ist, denn er gibt uns jetzund ein Zeichen. Sehet ihr nicht den Regenbogen am Himmel? Der bedeuted, dass Gott uns, die wir den Regenbogen im
Banner führen, helfen will.’ /7; Heft 5/ Forschungen ergaben, dass zur Mittagszeit des 15.Mai 1525 tatsächlich ein Halo (ein Ring um die Sonne in den Regenbogenfarben) über weiten Gebieten Mitteldeutschlands bis nach Hessen zu beobachten war.
Die Aufständischen verharrten noch unter dem Eindruck Müntzers Predigt und des ‘Regenbogens’, als das fürstliche Heer den vereinbarten Waffenstillstand brach und unvermutet und heftig mit Geschütz, Reiterei und
Fußvolk angriff. Die Bauern waren vom Angriff völlig überrascht
und gerieten in Panik. Sie fanden keine Zeit zur Ergreifung der Waffen oder zur organisierten Gegenwehr. Die Masse der Aufständischen floh panikartig in die Stadt und wurde auf dem Weg dorthin durch die fürstlichen Truppen niedergemetzelt. Einige Gruppen versuchten, sich der Übermacht zu erwehren und wurden ebenfalls erbarmungslos niedergemetzelt, so auch eine Gruppe im früher sog. ‘Rindflößchen’, der heutigen Blutrinne. Den Bauern blieb als Fluchtweg nur der Weg in die Stadt, wo sie von den Söldnern erschlagen wurden. Nur wenigen Aufständischen gelang die Flucht.
Im Laufe der unmittelbaren Schlacht gab es auf Seiten der Bauern mindestens 6000 Tote. 600 Aufständische wurden gefangen genommen, von denen noch am 16.Mai 300 vor dem Frankenhäuser Rathaus oder auf dem Anger
hingerichtet wurden. Am gleichen Tag wurden die Toten aus der Stadt gefahren und vermutlich im Bereich des heutigen August-Bebel-Platzes begraben. Thomas Müntzer wurde in der Stadt aufgespürt und durch Phillip
von Hessen an den Grafen Ernst von Mansfeld übergeben. Anschließend wurde Müntzer im Wasserschloss Heldrungen verhört und gefoltert und am 27. Mai 1525 im Feldlager der Fürsten bei Mühlhausen hingerichtet. Die am
Frankenhäuser Bauernaufstand beteiligten Ortschaften wurden in der Folge mit sehr hohen Strafen und Schadenersatzforderungen des geistlichen und weltlichen Adels belegt, die meist maßlos überzogen waren und den
tatsächlichen Schaden des Aufstandes um ein Vielfaches überstiegen.
Heute erinnert das Panoramamuseum auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen mit dem Monumentalgemälde ‘Frühbürgerliche Revolution in Deutschland’ an diese Entscheidungsschlacht im deutschen Bauernkrieg.
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Die 14 Artikel der Frankenhäuser Aufständischen vom Mai 1525 /7, Heft 12/:
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1. Ist unser wille und meinung, das wir ganze gemein ein pfarrer, der uns das ewangelium und gots wort lauter und und clar ane
alle menschen zusatzung, predige, anzunehmen und zu entsetzen macht haben. 2. Das wir nicht mehr noch weniger zu geschos gedenken zu geben, wan man vor 200 jarn hat getan, und keine beschwerung noch steuer
darneben, auch geistlichen noch weltlichen kein zins zu reichen nach zu geben. 3. Kein bodtinst zu tun gesinnet wieder der herschaft noch dem adel. 4. Sein nicht gemutig, voigteigelt zu geben. 5. Das acker,
weinwachs, wiesen, alle gutter und zugehrung des gotshauses werden umb ein zimlich gelt verkauft und geburlicher geschos davon zu reichen anderen ecken gleich. 6. Wollen wir wasser, weide, gehulze und wiltpane
frei haben einem itzlichen zu seiner notturft in seine behausung zu gebrauchen. 7. Ein itzlicher burger ader bauer, so die sachen nicht peinlich begriffen, wirdet mit keinem gefengnis ader gewaltsamer tat zu
belaidigen noch zu bescheren, sondern noch gelegenheit zu strafen und in seinen vier pfelen friedesam sitzen lassen. 8. Das martgelt und weinzol frei, sundern das wegegelt sein ganz zu hoben. 9. Ein itzlicher
inwhoner stadt und dorfer bier zu brauen macht hab noch loblichen ufgerichten ordnung, die dorinnen ufgericht und bewilliget wirdet, und hie zu Franckenhusen zwei bier mit ustgestackten zeichen zu brauen.
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10. Das gerichte uber hals und hand sei der stadt und rat zu Franckenhusen, wie vor alters gewest, zu haben und noch rechte damit zu gebaren.
11. Es sollen auch die pfenner macht haben, den kauf des salzs zu erhohen ader zu ernidern am gelde noch gelegenheit der zeit und des feuerwerks, kunftig mit einem salzmaß zu geben, und darneben
keiner aufgeschlossen bau und borngelt gefreiet sein und gleiche burde tragen. 12. Das alle uswendig vor der stadt zu Franckenhusen wonen, wasser und weide mit den inwhonern gebrauchen, dem rate
underworfen und schosbar sein und allen artikeln stadt und rat zu Franckenhusen gehorsam. 13. Das die gemein der stadt Franckenhusen den rat zu erwehlen, zu bestettigen und zu entsetzen macht haben
und darneben eine lobliche ordenunge ihres lohns und aller notturft uszurichten mechtig sein. 14. Das das verliehen gelt durch den rat nehst abgegangen der gemein uf das bret widerumb geantwort werde,
auch vorwustung der teiche von dem nehst abgegangen rate widerumb erbauet und besatzt.
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* Inschrift: FRYHEIT Bauernschlacht unter der Führung von THOMAS MÜNTZER 15. Mai 1525
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