Erdfälle

 

Erdfälle entstehen, wenn Gipslager durch unterirdische Gewässer gelöst und fortgeführt werden. Dadurch können größere Hohlräume entstehen, ohne dass dabei die darüber liegenden Schichten einbrechen. Ist die Schlotte durch die anhaltenden Lösungsprozesse soweit vergrößert, dass sich die Decke nicht mehr halten kann, erfolgt ein plötzlicher Einsturz bis zur Oberfläche hin. Am Kyffhäusersüdhang reihen sich zahlreiche Erdfälle kettenartig aneinander. Bis heute sind etwa 80 Erdfälle im Kyffhäusergebirge bekannt. Auch Teile der Stadt Bad Frankenhausen sind aktives Senkungs- und Erdfallgebiet. Eine Übersichsichtskarte (Erdfallverzeichnis Kyffhäuser) finden Sie auf der Seite “Satellitenkarte”.

Nachfolgend die bekanntesten Erdfälle am Kyffhäuser:
 

Äbtissinnengrube

Äbtissinnengrube TeilansichtDie Äbtissinnengrube (auch Äbtsche Grube oder Äbtissingrube) ist mit ca. 40 m Tiefe und einem ovalen Durchmesser von ca. 160 x 120 m der größte Erdfall des Kyffhäusergebirges. Sie befindet sich 200 - 300 m nördlich der Straße von Bad Frankenhausen nach Rottleben etwa auf halben Weg zwischen dem Ortsausgang Bad Frankenhausen und der Rottlebener Dreiangel. Dieser Erdfall ist der östlichste von etwa einem Dutzend Erdfällen unterschiedlicher Größe, die sich auf einer Länge von ca. einem Kilometer in nordwestliche Richtung aneinanderreihen.  Die Äbtissinnengrube entstand etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Ihren Namen verdankt sie einem Ereignis aus der damaligen Zeit:
Um diese Zeit versah Helena Güntherin das Amt als letzte Äbtissin im Zisterzienser-Nonnenkloster St. Georgii in Frankenhausen. Wie viele ihrer Mitschwestern war auch sie dem Laster verfallen und führte alles andere als ein gottgefälliges Leben. Sie war lebenslustig und wurde von vielen Männern verehrt. Ihr plötzliches Verschwinden aus dem Kloster während eines drei Tage und drei Nächte über Frankenhausen wütenden Unwetters verwunderte die Bürger der Stadt sehr. Der zu dieser Zeit entstandene Erdfall wurde aus Unkenntnis über derartige Naturerscheinungen mit ihrem Verschwinden in Zusammenhang gebracht. Nach der Sage traf ein strafender Blitz die Sünderin auf freiem Feld unterhalb der Kattenburg, riß sie in die Tiefe, das Land brach in einem breiten Trichter ein und deckte die Leiche der Sünderin zu.

Die Äbtissinnengrube ist nach einem kurzen Fußmarsch über freies Feld von der Straße Bad Frankenhausen - Rottleben erreichbar. Durch die lange Nutzung als Obstplantage ist sie heute mit dichtem Gestrüpp und Bäumen bewachsen, so dass der Grund des Erdfalls nicht einsehbar ist. 1953 erfolgte an der nördlichen Seite ein Nachbruch, der heute noch gut sichtbar ist (siehe Foto). Von dieser Seite bietet sich allerdings auch die beste Sicht in den Einsturztrichter (aus Richtung Kattenburg/Salzstraße über freies Feld erreichbar). Ein guter Überblick über die Lage und Größe der Äbtissinnengrube bietet sich von der Kattenburg aus.

Am 16. / 17.11.2009 erfolgte am Westrand der Äbtissinnengrube (zwischen den Großerdfällen Äbtissinnengrube und Roßgrube) ein erneuter Erdfall. Er erreichte einen Durchmesser von ca. 20 m bei einer Tiefe von etwa 13 m und erregte - obwohl er im Vergleich zur wenige Meter entfernten  Äbtissinnengrube unbedeutend ist -  großes Medieninteresse.

Das Bild zeigt eine Teilansicht der Äbtissinnengrube in Richtung Osten (Bad Frankenhausen) vom Nordrand des Erdfalls aus.

Pfanne / Pfannenspring

PfanneDie Pfanne, ein einseitig ausgeprägter Erdfall zwischen Ochsenburg und Barbarossahöhle, ist als steile Felswand an der Kyffhäuserrandstufe ausgebildet, die sich halbkreisförmig in den Hang schiebt. Eine Mulde, die nach Norden und Westen flach ausläuft, wird im Süden und Osten durch eine etwa 60 m hohe Steilwand begrenzt. An der tiefsten Stelle der Mulde befindet sich der annähernd rechteckig gefasste Quelltopf des Pfannensprings (auch Ahrensbrunnen) mit einer Grundfläche von etwa 4 x 7 m. Die Schüttung der Quelle beträgt zwischen 6 bis 8 l / s (1977 / BRUST), von dem etwa ein Drittel wieder im Quelltopf versinkt und 2 / 3 in einem künstlich angelegten Graben abgeführt wird und heute im Bereich der Zufahrt zur Barbarossahöhle in den Thaleber Bach mündet.

Der Pfannenspring ist keine echte Karstquelle, sondern eine störungsgebundene Schichtquelle, die ihr Einzugsgebiet im Ausgehenden der Schichtgrenze vom Oberkarbon zum Zechstein hat.

Im Herbst 1975 entstand 20 m südöstlich neben dem Quelltopf ein etwa 15m langer erdfallartiger Graben, in dem das Gerinne zeitweise sichtbar war.

Die Flurbezeichnung “Pfanne” bzw. “Pfannenspring” ist vermutlich aus den Wasserrechten der Frankenhäuser Saline an der Quelle abzuleiten (das Wasser wurde ursprünglich der Kleinen Wipper zugeleitet, die im Bereich der Frankenhäuser Quellen als Aufschlagwasser für die Treibräder und Paternosterwerke zur Soleförderung genutzt wurde).

Quellgrund (Unteres Bad)

QuellgrundEin weiterer Großerdfall in der Verwerfungszone des Kyffhäusers ist der Quellgrund (“Solbrunnen”) im Stadtgebiet von Bad Frankenhausen. Im Bereich der Verwerfungszone wird hier bei ca. 180 m unter NN Steinsalz aufgelöst. Das in der Lösungszone als Sole aufsteigende Wasser löst den über dem Salzlager befindlichen Gips, so dass große Hohlräume entstehen, die einbrechen, sobald die Decke nicht mehr ausreichend tragfähig ist.
Der Erdfall des Quellgrundes soll mindestens 1000 Jahre alt sein (erste urkundliche Erwähnung 998), obwohl ihn die steilen Wände des Einbruchs jünger erscheinen lassen. Im Quellgrund selbst treten heute die Elisabeth-, die Kyffhäuserquelle und die Schüttschachtquelle (abgedeckt) zutage. Die Sole der Kyffhäuserquelle (Salzgehalt ca. 12 - 14 %) und der Schüttschachtquelle werden in den Kur- und Erholungseinrichtungen der Stadt genutzt.
Nördlich des Quellgrundes gab es in der jüngeren Vergangenheit öfters kleinere Erdfälle, die zum großen Teil wieder verfüllt wurden. Ebenso wurde der Grund des Quellgrundes in der Vergangenheit um einige Meter aufgefüllt.
Zur Erlangung gesättigter Sole wurde von 1854 bis 57 eine 372 m tiefe Bohrung im Quellgrund niedergebracht. Eine zweite Bohrung wurde 1866 fertiggestellt. Eine weitere Bohrung folgte im Jahr 1978 (55 m). Die Salzgehalte der einzelnen Bohrungen betragen zwischen 0,7 bis 28 %.

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