(N51°22.090' E011°04.670')
Im Kosackenberg westlich von Bad Frankenhausen erstreckt sich ein Höhlensystem, das durch die bei Ausgrabungen (Behm-Blanke 1951-1957) gemachten Funde
für Aufmerksamkeit sorgte.
Forschungen ergaben, dass die Höhlen im 5.Jt. v.Chr., dann wieder im 20.-9.Jh. v.Chr. und im 8./7.Jh. v.Chr.
wiederholt aufgesucht wurden. Über die Art der Nutzung im 5.Jt. v.Chr. gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse.
Aus dieser Zeit stammen Funde der
späten Linienbandkeramik, der späten Stichbandkeramik und der Rössener Kultur.
Durch die schwere Erreichbarkeit der Höhlen muss man davon
ausgehen, dass besondere Umstände die Menschen zur damaligen Zeit dazu bewogen hatten, die Höhlen aufzusuchen und Gefäße, Felssteingeräte
und Knochengeräte dort zu hinterlassen.
In der beginnenden Bronzezeit wurden die Höhlen wiederholt häufiger aufgesucht. Auf dem Plateau
des Berges wurden Keramik- und Bronzefunde gemacht, die den Berg als Höhensiedlung ausweisen. Mehrere in den Höhlen aufgefundene Bronzegegenstände
und Gefäße haben - zumindest ideell - ihren Ursprung in Gegenden wie Böhmen, des Karpatenbeckens oder den oberen und mittleren Donauraum. Es ist
nicht sicher geklärt, wie diese Gegenstände an den Kyffhäuser gelangten.
In der vertikalen Kluft der auf 20m zugänglichen, 15m tiefen
und bis 1m breiten Schachthöhle 7 (sog. Opferspalte) wurden in einem vom Boden bis zum Bergplateau reichenden Schuttkegel Scherben, Knochen von Haus- und
Wildtieren, Menschenknochen, verkohltes Getreide, Schmuckgegenstände aus Bronze, Bernsteinperlen, Flechtkörbe, Fackeln, Schachteln aus Birkenrinde und
Knochen- und Feuersteingeräte gefunden.
Die menschlichen Skelettreste waren zerschlagen, angebrannt und wiesen Schnittspuren auf, die auf eine postmortale
Zerstückelung hinweisen.
Die gefundenen ca. 15.000 menschlichen Skelettteile stammen von mindestens 130 zumeist jugendlichen Opfern, die gewaltsam durch
Bronzebeile oder stumpfe Werkzeuge wie Steinkeulen u.a. getötet wurden.
Während der Urnenfelderzeit wurden die Höhlen etwa zwischen 1200
und 1000 v.Chr. vorwiegend zu kultischen Zwecken aufgesucht. Aus dieser Zeit stammen auch Funde wie Menschenknochen, Schmuck, Getreidekörner, Briquetagefragmente
(Tonständer zur Salzgewinnung aus Sole) und Hinterlassenschaften aus der Bronzemetallurgie.
Angesichts der reichlichen Funde erschließen sich
die Höhlen im Kosackenberg als regional, vielleicht sogar überregional bedeutender Kultplatz.
Die ursprünglich dem Kannibalismus zugeordnete
Fundstelle diente offensichtlich als heilige Stätte, an der Opfergaben - auch Menschenopfer - einer Gottheit (vermutlich einem Fruchtbarkeitsgott) dargebracht
wurden.
Die abgesicherte Einsturzstelle der Schachthöhle 7 ist auf dem westlichen Bergplateau gut sichtbar. Von hier aus ist ein Blick in die
ehemals bis zur Einsturzstelle mit Opfergaben verfüllte Schachthöhle möglich. Die Eingänge zu den Opferhöhlen liegen im oberen Bereich
eines 90m hohen Steilhanges und sind nur mühsam erreichbar. Einige der Höhlen sind einsturzgefährdet und sollten deshalb nicht betreten werden.